Kontext: Irak - ein Krieg und seine Themen

Unser Irak-Tagebuch

23.02.2005 - Not welcome, Mr. Bush!

Der Präsident der Vereinigten Staaten, George Walker Bush, hat Deutschland am 23.02.2005 einen Kurzbesuch abgestattet. Die Besatzung im Irak kostet ihn immense Summen. Einige Tage vorher hat er den Kongress um die Bewilligung weiterer 80 Milliarden Dollar ersucht. Nun bittett er das "alte Europa" um Hilfe. Geld, Unterstützung in Logistik und Ausbildung etc. pp. Natürlich soll alles unter us-amerikanischer Regie ablaufen. Wir haben den Text von Jürgen Grässlin, der am 23.02. in Mainz anläßlich des Bush-Besuches eine Rede hielt, für Sie hier eingestellt. Kurz, knapp und präzise ist seine Analyse. Lesen Sie hier mehr ...

03.04.2003

Eine fast untergehende Meldung heute lautet:

Neue Vorwürfe gegen Syrien

Washington - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat Syrien erneut vorgeworfen, den Irak zu unterstützen. Syrien ignoriere alle Warnungen der USA, sagte Rumsfeld. Schon in der vergangenen Woche hatte der Minister Syrien beschuldigt, der irakischen Armee Nachtsichtgeräte geliefert zu haben. Rumsfeld sprach von einem "feindlichen Akt", für den Syrien zur Verantwortung gezogen werden könne ... aus SPIEGEL-Online vom 03.04.2003

Unser Kommentar:

Was bezweckt Rumsfeld mit solchen nicht belegten Anschuldigungen? Selbst sein Pressegeneral vor Ort, Brooks, sagt, dass er dafür keine Beweise hat. Und was nützen den irakischen Soldaten Nachtsichtgeräte, wenn sie kaum noch kämpfen können? Andererseits ... warum sagt Rumsfeld so etwas, wenn er damit nicht was bezwecken wollte? Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass in dieser US-Administration nichts ohne Grund verlautet wird. Das läßt mich aber schlimmes vermuten ... was denken Sie?

02.04.2003

Offenbar gibt es Differenzen zwischen den alliierten Kriegspartnern. Großbritannien zeigt sich überrascht und befremdet von den Vorgängen um Syrien und Iran. Donald Rumsfeld und Colin Powell haben am 31.03. Syrien und Iran verwarnt. Hauptsächlich Syrien habe einen "feindlichen Akt" getätigt, indem es Irak offenbar mit Nachtsichtgeräten versorgt hätte. Die Beweislage ist mangelhaft. Aber im Zusammenhang mit den aktuellen innenpolitischen Veränderungen in den USA kristallisiert sich langsam aber sicher die These der christlich-fundamentalistischen Weltveränderung heraus.

24.03.2003

Offenbar entwickelt sich der Krieg nicht ganz so, wie ihn sich die Leute am Schreibtisch ausgedacht haben. Da gibt es ja Kriegsgefangene und Verteidigungsminister Rumsfeld spricht von der Genfer Konvention - obwohl ihm ja internationale Konventionen nicht so liegen ... gerade wie man es braucht. Zumindest konnte man Bilder irakischer Gefangener einen Tag früher als die Bilder der amerikanischen Gefangegen sehen. Da gab es keine Genfer Konvention ...

Zudem wurde ein Bus, vollbesetzt mit syrischen Gastarbeitern, aus der Luft beschossen. Es gab mehrere Tote und Verletzte. In vielen arabischen Staaten werden die Proteste wütender. In Pakistan wurden us-amerikanische Soldaten von emotional radikalisierten Pakistanern angegriffen. Und die Türkei wird sich um "ihr Kurdenproblem" kümmern - welch günstige Gelegenheit. Während die US-Administration den Türken einen Einmarsch noch streng verbot, heißt es heute, die türkischen Truppen "würden die Flüchtlingsströme" lenken. Argumente wie die Fahne im Wind ...

21.03.2003

Das angekündigte "Bomben-Inferno" hat heute um 19:00 MEZ begonnen. Bagdad und die nordirakischen Städte Kirkuk und Mossul sind Ziele dieser Luftangriffe.

20.03.2003

Der Krieg hat begonnen - um 3:45 MEZ. Und vor ca. einer Stunde die Bodenoffensive. Scharfe Proteste aus zahlreichen Staaten folgten auf die Invasion. Der begonnene Krieg und seine Folgen sind unabsehbar. Hierzu eine interessante Analyse in SPIEGEL-Online. Ebenso den Bericht eines Exil-Irakers wollen wir Ihnen nicht vorenthalten ... eine Stimme aus dem Irak ...

Zehntausende von Menschen sind in Europa auf den Straßen. Auch in den sogenannten "willigen Ländern" wie Spanien, Großbritannien, Dänemark, Italien. Es sind nur die Regierungen, welche die aggressive US-Politik unterstützen. Weitere und größere Demonstrationen sind für den Freitag und das ganze Wochenende angekündigt. Ebenso in Südamerika ist die Bevölkerung empört ... hier am Beispiel Brasilien ... ebenso in den gemäßigten arabischen Staaten wie Ägypten und Jordanien kommt es zu Demonstrationen und Ausschreitungen. In jeder weiteren Minute zerschlägt die Handlungsweise der US-Administration so viel Porzellan in den Verbindungen der westlichen Welt zu Arabien, dass wirdas in einer Generation nicht wieder reparieren können.

10.03.2003

Russland kündigt Veto an, falls eine amerikanisch-britische Freie-Fahrt-Resolution eingebracht wird.

London/Madrid/Berlin - Die Resolution, die die USA, Großbritannien und Spanien einbringen wollen, würde dem Irak eine Frist bis kommenden Montag setzen und bei Nichterfüllung der Auflagen den Weg für einen Krieg freimachen. Allerdings wäre ein solcher Resolutionsentwurf aller Voraussicht nach zum Scheitern verurteilt: Der russische Außenminister Igor Iwanow erklärte, sein Land werde sein Veto gegen eine Resolution einlegen, die einen Krieg legitimieren würde.
Sollte Frankreich ebenfalls ein Veto einlegen, signalisierte Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Unterstützung. "Deutschland wird an der Seite Frankreichs sein", sagte Schröder am Montag in einem Interview mit dem französischen Nachrichtensender LCI. Er war gefragt worden, ob er die Position Frankreichs "bis zum Ende" mittragen werde.

Nähere Infos hier

02.03.03

Saddam lässt weitere Raketen zerstören

Bagdad/Washington - Nach vier Raketen am Samstag wurden am Sonntag nach Angaben des irakischen Informationsministeriums sechs weitere Waffen unter Aufsicht der Uno-Kontrolleure unbrauchbar gemacht.

Mit Hilfe von Bulldozern waren in al-Tadschi nördlich von Bagdad am Samstag zunächst vier Raketen unbrauchbar gemacht worden. Der Vernichtungsprozess sei jedoch langwierig, weil die Geschosse sehr robust seien, erklärte der stellvertretende Chefinspekteur Demetrius Perricos. Er gehe von einem Zeitrahmen von "einigen wenigen Tagen oder Wochen" aus, um alle rund hundert Raketen zu zerstören. Außerdem sollen auch Software und Maschinen für die Herstellung der Raketen vernichtet werden.

Amerikaner in der Klemme

Die Kriegsvorbereitungen der USA erlitten unterdessen einen herben Rückschlag: Im Parlament in Ankara wurde die notwendige Mehrheit für eine Stationierung von 62.000 US-Soldaten in der Türkei verfehlt. Zwar stimmten 264 Abgeordnete für und nur 250 gegen die Stationierung von US-Truppen, wegen 19 Enthaltungen erhielten die Befürworter jedoch nicht die nötige Mehrheit.

In der Abstimmung ging es um die Stationierung von 62.000 US-Soldaten, 255 Kampfflugzeugen und 65 Hubschraubern für eine mögliche Offensive von Norden sowie die Entsendung von tausenden eigenen Soldaten nach Nordirak. Im Gegenzug für die Stationierung der Soldaten stellten die USA der Türkei finanzielle Hilfe in Höhe von rund 15 Milliarden Dollar in Aussicht.

SPIEGEL-Artikel zum Thema

24.02.03

Amerikaner, Briten und Spanier haben am 24.02.2003 eine zweite Resolution eingebracht. Damit soll der Sicherheitsrat den Angriffskrieg legitimieren. Frankreich, Russland und Deutschland proben den Aufstand durch Einbringen einer Gegenresolution. Unterstützt von China, sollen die unentschlossenen Staaten im Sicherheitsrat - Mexiko, Chile etc. zu einer ablehnenden Haltung gebracht werden.

 

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